Testen im Hinblick auf die Globalisierung

Visual Studio .NET 2003

Das Ziel von Globalisierungstests ist es, im Anwendungsentwurf potenzielle Probleme aufzudecken, die die Globalisierung beeinträchtigen könnten. Hierbei wird sichergestellt, dass die gesamte internationale Unterstützung im Code keine Funktionsstörungen verursacht, die zu Datenverlusten oder Anzeigeproblemen führen. Beim Testen der Globalisierung wird die fehlerfreie Funktionalität des Produkts in beliebigen Kulturen/Gebietsschemas unter Verwendung aller möglichen internationalen Eingabetypen überprüft.

Für die fehlerfreie Funktionalität des Produkts ist eine stabile Komponente, die der Entwurfsspezifikation entsprechend und unabhängig von internationalen Umgebungseinstellungen oder Kultur-/Gebietsschemas funktioniert, sowie die korrekte Darstellung von Daten erforderlich.

Bei Globalisierungstests sollten Sie nach folgendem Plan vorgehen:

Bestimmen Sie die Priorität der einzelnen Komponenten

Weisen Sie allen getesteten Komponenten eine Testpriorität zu, um das Testen der Globalisierung effizienter zu gestalten. Folgenden Komponenten sollte oberste Priorität zugewiesen werden:

  • Unterstützung von Textdaten im ANSI-Format (American National Standards Institute)
  • Extensive Behandlung von Zeichenfolgen (z. B. Komponenten mit vielen Bearbeitungssteuerelementen)
  • Verwendung von Dateien für die Datenspeicherung oder den Datenaustausch (z. B. Windows-Metadateien, Tools für die Sicherheitskonfiguration und webbasierte Tools)
  • In der Vergangenheit häufig aufgetretene Globalisierungsprobleme

Wählen Sie eine Testplattform aus

Welches Betriebssystem sollten Sie für Ihre internationale Testplattform verwenden? Die erste Wahl sollte die lokale Version von Windows 2000 mit einer installierten Sprachgruppe sein. Wenn Sie z. B. die US-amerikanische Version von Windows 2000 verwenden, installieren Sie die ostasiatische Sprachgruppe. Durch diese Kombination ist eine vollständige internationale Unterstützung für die gewählte Sprache gegeben, ohne dass Anforderungen an die Sprachkenntnisse der testenden Person gestellt werden.

Selbst wenn die Anwendung für mehrere Betriebssysteme vorgesehen ist, sollte Windows 2000 die primäre Testplattform sein. Frühere Betriebssysteme bieten nicht die gleiche Flexibilität in Bezug auf lokale Einstellungen und integrierte Unterstützung für eine möglichst breite Auswahl von Sprachen und Kulturen/Gebietsschemas.

Sie können auch Plattformen verwenden, die von Ihrer lokalen Version von Windows 2000 abweichen:

  • Windows 2000 mit mehrsprachiger Benutzeroberfläche (Multilanguage User Interface, MUI) – Dies ist besonders nützlich, wenn Code mehrsprachige Benutzeroberflächen implementiert und an die Benutzeroberflächen-Einstellungen des Betriebssystems angepasst werden muss. Diese Methode stellt eine einfacher zu implementierende Alternative zur Installation mehrerer lokalisierter Versionen des Betriebssystems dar. Zur weiteren Verbesserung der Unterstützung von Mehrsprachigkeit bietet Microsoft eine separate mehrsprachige Version von Windows 2000, die bis zu 24 lokalisierte Sprachversionen der Windows-Benutzeroberfläche enthält. Weitere Informationen finden Sie unter Mehrsprachige Benutzeroberfläche (Multilanguage User Interface, MUI).
  • Lokalisierte Version des Zielbetriebssystems – Deutsch oder Japanisch sind gut geeignet. Beachten Sie, dass es schwieriger ist, mit lokalisierten Versionen zu arbeiten, wenn Sie die Sprache der Benutzeroberfläche des Betriebssystems nicht beherrschen. Diese Methode bietet keine nennenswerten Vorteile gegenüber den oben genannten Lösungen.

Die meisten in Tests festgestellten Probleme bei der Globalisierung treten auf, wenn die Unterstützung für ostasiatische Sprachen aktiviert ist oder die OEM-Codepage von der ANSI-Codepage für eine bestimmte Kultur/ein bestimmtes Gebietsschema abweicht. Sie können z. B. in der US-amerikanischen Version von Windows 2000 die folgenden Kulturen/Gebietsschemas auswählen, um potenzielle Globalisierungsprobleme festzustellen:

  • Japanisch
  • Deutsch
  • Eine Kombination beider (eine Sprache als Systemgebietsschema und die andere als Benutzergebietsschema), um nach Möglichkeit Unterstützung für Mehrsprachigkeit zu aktivieren

Eine größtmögliche Abdeckung erreichen Sie, wenn Sie alle Sprachgruppen installieren, die Kulturen/Gebietsschemas wechseln und "globalisierte" Tests wie unten beschrieben durchführen.

Erstellen Sie die Testumgebung

Für die Durchführung von Globalisierungstests müssen Sie mehrere Sprachgruppen installieren und sicherstellen, dass die Kultur/das Gebietsschema nicht mit der lokalen Kultur/dem lokalen Gebietsschema identisch ist. Wie oben erwähnt, können bei der Durchführung von Tests in japanischen und deutschen Umgebungen sowie in einer Kombination beider die meisten potenziellen Globalisierungsprobleme untersucht werden.

Die Schritte zum Erstellen einer Globalisierungstestumgebung unter Verwendung des Japanischen und des Deutschen sind im Wesentlichen folgende:

  1. Installieren Sie in der lokalen Version von Windows 2000 die Sprachunterstützung für Japanisch (oder eine beliebige andere ostasiatische Region) sowie für Deutsch, falls diese nicht bereits installiert sind. (In der US-amerikanischen Version von Windows 2000 ist z. B. die Sprachunterstützung für Deutsch standardmäßig installiert.)
  2. Legen Sie die Kultur/Gebietsschemas auf dem Testcomputer auf solche Kulturen/Gebietsschemas fest, die nicht mit der lokalen Kultur/dem lokalen Gebietsschema identisch sind (Japanisch oder Deutsch).
  3. Richten Sie ein verteiltes Netzwerk mit einer gemischten Umgebung der lokalen Version von Windows 2000 ein, wobei einige Teile der Umgebung auf die japanische Kultur/das japanische Gebietsschema und andere auf die deutsche Kultur/das deutsche Gebietsschema festgelegt werden.

Wenn beim Testen Japanisch als Standardkultur/-gebietsschema des Systems festgelegt ist, kann die Behandlung von Doppelbyte-Zeichensätzen (DBCS) in Nicht-Unicode-ANSI-Komponenten überprüft werden. Durch Tests mit Deutsch als Standardkultur/-gebietsschema des Systems wird sichergestellt, dass die ANSI- und OEM-Codepages bei erforderlichen Textkonvertierungen richtig behandelt werden. Beim Testen in einer gemischten verteilten Netzwerkumgebung kann überprüft werden, ob Daten zwischen unterschiedlichen Kulturen/Gebietsschemas erfolgreich übergeben werden können.

Führen Sie Tests durch

Nachdem die Umgebung für das Testen der Globalisierung eingerichtet wurde, müssen Sie bei der Durchführung regulärer Tests potenziellen Globalisierungsproblemen besondere Aufmerksamkeit widmen:

  • Insbesondere sollte die direkte und die indirekte Ein- und Ausgabe von Zeichenfolgen überprüft werden.
  • Testdaten müssen Zeichen aus ostasiatischen Sprachen, dem Deutschen, aus komplexen Schriftsystemen (Arabisch, Hebräisch, Thai) und optional dem Englischen enthalten. In einzelnen Fällen gibt es Einschränkungen, z. B. bei der Akzeptanz von Zeichen, die nur mit der folgenden Kultur/dem folgenden Gebietsschema übereinstimmen. Bei der manuellen Eingabe dieser Daten können Schwierigkeiten auftreten, wenn Sie die Sprachen, in denen Sie die Testdaten vorbereiten, nicht beherrschen. Bei diesem Schritt kann ein einfacher Unicode-Textgenerator hilfreich sein.

Erkennen Sie die Probleme

Das gravierendste Problem bei der Globalisierung besteht im Verlust von Funktionalität, der entweder sofort (bei Wechsel einer Kultur/eines Gebietsschemas) oder später beim Zugriff auf Eingabedaten (Eingabe anderer als im englischen Sprachraum verwendeter Zeichen) auftreten kann.

Einige Funktionalitätsprobleme können als Anzeigeprobleme erkannt werden:

  • Fragezeichen (?), die anstelle des Anzeigetexts angezeigt werden, weisen auf Probleme bei der Konvertierung aus Unicode in ANSI hin.
  • Nach dem Zufallsprinzip angezeigte hohe ANSI-Zeichen (z. B. ¼, †, ‰, ‡, ¶) statt lesbaren Textes weisen auf Probleme aufgrund der Verwendung der falschen Codepage durch den ANSI-Code hin.
  • Wenn Kästchen, geschweifte Klammern oder Tilden (Standardbildzeichen) [□, |, ~] angezeigt werden, bedeutet dies, dass die gewählte Schriftart einige der Zeichen nicht anzeigen kann.

Es kann schwierig sein, Anzeige- oder Druckprobleme festzustellen, die Kenntnisse der Formen, des Layouts oder des Schriftsystems voraussetzen. Ein solcher Test ist sprachspezifisch und kann ohne umfangreiche Sprachkenntnisse in vielen Fällen nicht durchgeführt werden. Andererseits kann der Test auf die Untersuchung von Code beschränkt werden. Wenn bei der Formung und Anzeige von Ausgabetexten Standardmechanismen für die Textbehandlung verwendet werden, ist die Gefahr von Fehlern äußerst gering.

Ein weiteres Gebiet potenzieller Probleme ist Code, der nicht den lokalen, in der aktuellen Kultur/dem aktuellen Gebietsschema definierten Konventionen folgt. Stellen Sie sicher, dass die Anwendung kultur-/gebietsschemaabhängige Daten (z. B. Zahlen, Datumsangaben, Uhrzeiten, Währungen und Kalender) den aktuellen regionalen Einstellungen des Computers entsprechend anzeigt.

Nicht alle kultur-/gebietsschemaabhängigen Funktionen können in der Systemsteuerung über die Ländereinstellungen festgelegt werden. Die aktuelle Sortierreihenfolge wird dort z. B. nicht angezeigt. Daher ist es wichtig, sämtliche kultur-/gebietsschemaabhängigen Aspekte der Funktionalität vor dem Teststart in einem Testplan aufzulisten.

Siehe auch

Testen im Hinblick auf Globalisierung und Lokalisierung

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