Interaktionen per Toucheingabe

Windows 8.1 verfügt über einen kompakten Satz von Toucheingabeinteraktionen, die im ganzen System verwendet werden. Die konsequente Anwendung dieser Sprache für Toucheingaben hilft Ihnen bei der Entwicklung von Apps, deren Darstellung den Benutzern bereits vertraut ist. Hierdurch erleichtern Sie den Benutzern den Einstieg, da diese sich schneller in Ihrer App zurechtfinden. Weitere Informationen zum Implementieren der Sprache für Toucheingabe finden Sie unter Gesten, Manipulationen und Interaktionen.

 

Benutzerinteraktion mit Tablet durch Toucheingabe

 

Inhalt dieses Artikels

Designprinzipien für die Toucheingabe

Sofortiges Feedback bieten

Erhöhen Sie das Vertrauen der Benutzer, indem Sie sofortiges visuelles Feedback bereitstellen, wenn der Bildschirm berührt wird. Interaktive Elemente sollten durch das Ändern von Farbe, Größe oder durch Bewegung reagieren. Für nicht interaktive Elemente sollten nur dann visuelle Berührungselemente angezeigt werden, wenn der Bildschirm berührt wird.

Der Content folgt dem Finger

Elemente, die vom Benutzer bewegt oder gezogen werden können, z. B. eine Canvas oder ein Schieberegler, sollten in der Bewegung dem Finger des Benutzers folgen. Schaltflächen und andere Elemente, die nicht beweglich sind, sollten an ihre Ausgangsposition zurückkehren, wenn der Benutzer den Finger von dem Element zieht oder ihn anhebt.

Die Interaktionen müssen umkehrbar bleiben

Wenn Sie ein Buch zur Hand nehmen, können Sie es dahin zurücklegen, wo Sie es gefunden haben. Für Touchinteraktionen sollte das Gleiche gelten – sie sollten umkehrbar sein. Geben Sie visuelles Feedback, um anzuzeigen, was geschieht, wenn der Benutzer den Finger anhebt. Auf diese Weise können die Benutzer Ihre App problemlos per Touch erkunden.

Lassen Sie die Verwendung beliebig vieler Finger zu

Benutzer berühren den Bildschirm oft mit mehreren Fingern, ohne dies überhaupt zu bemerken. Aus diesem Grund sollten sich Touchinteraktionen nicht grundlegend ändern, egal, mit wie vielen Fingern der Bildschirm berührt wird. Wie im echten Leben sollte es keinen Unterschied machen, ob etwas mit einem oder drei Fingern verschoben wird.

Sprache für die Fingereingabe

Gedrückt halten: Lernen

Diese Touchinteraktion bewirkt, dass ausführliche Informationen oder visuelle Lernelemente (beispielsweise eine QuickInfo oder ein Kontextmenü) angezeigt werden, ohne dass eine Aktion ausgeführt werden muss. Alles, was auf diese Weise angezeigt wird, sollte eine Verschiebung durch den Benutzer nicht verhindern, falls dieser mit dem Ziehen des Fingers beginnt.

Wichtig  Gedrückthalten kann für die Auswahl verwendet werden, wenn sowohl horizontales als auch vertikales Verschieben aktiviert ist.

Tippen: Hauptaktion

Durch das Tippen auf ein Element wird die zugehörige Hauptaktion ausgelöst, etwa das Starten einer App oder das Ausführen eines Befehls.

Ziehen: Verschiebung

Das Ziehen wird in erster Linie für Verschiebungen verwendet, kann jedoch auch zum Schieben (wenn das Verschieben auf eine Richtung beschränkt ist), Zeichnen oder Schreiben genutzt werden. Das Ziehen kann darüber hinaus verwendet werden, um kleine, dicht gedrängte Elemente anzusprechen (durch Ziehen des Fingers über zusammengehörige Objekte wie beispielsweise Optionsfelder).

Streifen: Auswählen, Befehle und Schieben

Indem Sie mit dem Finger eine kurze Streifbewegung, senkrecht zur Verschiebungsrichtung (während das Verschieben auf eine Richtung beschränkt ist), ausführen, werden Objekte in einer Liste oder Tabelle ausgewählt. Streifen bewirkt außerdem das Anzeigen der App-Leiste mit relevanten Befehlen, wenn Objekte ausgewählt sind.

Zusammendrücken und Aufziehen zum Zoomen

Zusammendrücken und Aufziehen werden in der Regel für Größenänderungen verwendet; die Bewegungen ermöglichen es jedoch auch, mithilfe des semantischen Zooms an den Anfang, das Ende oder einen beliebigen Punkt innerhalb des Inhalts zu springen. Der semantische Zoom liefert eine verkleinerte Ansicht, um Elementgruppen anzuzeigen, und bietet eine schnelle Möglichkeit, erneut die Details der Gruppe anzuzeigen.

Drehen: Rotation

Durch das Drehen mit mindestens zwei Fingern wird ein Objekt gedreht. Drehen Sie das Gerät selbst, um den ganzen Bildschirm zu drehen.

Vom Rand aus streifen: App-Befehle

App-Befehle werden durch Streifen vom unteren oder oberen Rand des Bildschirms aus aufgerufen. Verwenden Sie die App-Leiste zum Anzeigen von Navigationsbefehlen.

Vom Rand aus streifen: Systembefehle

Durch eine Streifbewegung vom rechten Bildschirmrand werden die Charms mit den Systembefehlen eingeblendet.

Durch Streifen vom linken Rand aus werden nacheinander derzeit ausgeführte Apps angezeigt.

Durch eine Ziehbewegung vom oberen zum unteren Bildschirmrand wird die aktuelle App geschlossen.

Durch eine Ziehbewegung vom oberen Bildschirmrand nach unten zum linken oder rechten Rand wird die aktuelle App auf dieser Seite des Bildschirms platziert.

Hinweis  Benutzer können direkte Manipulationen (z. B. Ziehen zum Verschieben, Zusammendrücken zum Zoomen und Drehen) gleichzeitig und mit beliebig vielen Berührungspunkten durchführen.

Touch-Ziele

Größe im Vergleich zu Effizienz: Einfluss der Zielgröße auf die Fehlerrate

Diagramm zur Abnahme von Fingereingabefehlern bei größeren Zielen.

Es gibt keine perfekte Größe für Toucheingabeziele. Unterschiedliche Größen eignen sich für unterschiedliche Situationen. Für Aktionen mit schwerwiegenden Folgen (wie Löschen und Schließen) oder häufig verwendete Aktionen sollten große Toucheingabeziele verwendet werden. Für nur gelegentlich verwendete Aktionen mit weniger schweren Folgen können kleine Ziele verwendet werden.

Richtlinien für die Zielgröße

Empfohlene Mindestgröße: 7 x 7

7 x 7: Empfohlene Mindestgröße

7 x 7 mm ist eine gute Mindestgröße, wenn das Berühren eines falschen Ziels in ein oder zwei Bewegungen oder innerhalb von fünf Sekunden korrigiert werden kann. Der Abstand zwischen den Zielen ist mindestens genauso wichtig wie die Zielgröße.

Empfohlene Größe für Genauigkeit: 9 x 9

Wenn es auf Genauigkeit ankommt

Beim Schließen, Löschen und anderen Aktionen mit schwerwiegenden Folgen muss ein versehentliches Tippen vermieden werden. Verwenden Sie Ziele mit einer Größe von 9 x 9 mm, wenn mehr als zwei Bewegungen, mehr als fünf Sekunden oder ein größerer Kontextwechsel erforderlich sind, um das Berühren eines falschen Ziels zu korrigieren.

Mindestgröße: 5 x 5

Falls es einfach nicht passen will

Wenn sich zeigt, dass Sie Elemente zu dicht anordnen müssen, um sie unterzubringen, können Sie auch eine Zielgröße von 5 x 5 mm verwenden, sofern das Berühren des falschen Ziels durch eine Bewegung korrigiert werden kann. Das Einhalten eines Abstands von 2 mm zwischen den Zielen ist in diesem Fall äußerst wichtig.

 

Barrierefreiheit

Bedenken Sie beim Planen der Benutzeroberfläche und der von der App unterstützten Interaktionen die verschiedenartigen Fähigkeiten, Behinderungen und Vorlieben Ihrer Benutzer. Wenn Sie von Anfang an den Entwurfsprinzipien für Barrierefreiheit folgen, können Sie Ihre App für die größtmögliche Zielgruppe zugänglich machen. Weitere Informationen zum Planen der Barrierefreiheit finden Sie unter Richtlinien für Barrierefreiheit.

Fingergröße

Menschen behaupten oft, dass sie "dicke Finger" haben. Doch selbst die Finger von Säuglingen sind breiter als die meisten Toucheingabeziele.

Das Bild links zeigt, dass die Fingerbreite eines durchschnittlichen Erwachsenen etwa 11 mm beträgt. Zum Vergleich: Die durchschnittliche Fingerbreite eines Säuglings liegt bei 8 mm und die einiger Basketballspielers bei über 19 mm!

Diagramm mit dem Spektrum möglichen Fingerbreiten

Haltung und Druck

Die Entwicklung im Hinblick auf Toucheingabeaktionen umfasst mehr als das Entwerfen der auf dem Bildschirm sichtbaren Elemente. Sie müssen auch berücksichtigen, wie das Gerät gehalten wird.

Üblicherweise haben verschiedene Personen unterschiedliche Vorlieben beim Halten eines Tablets.

Die aktuelle Aufgabe und ihre Darstellung bestimmen normalerweise, wie das Gerät gehalten wird. Aber auch die unmittelbare Umgebung und welche Position als bequem empfunden wird, kann einen Einfluss darauf haben, wie lange eine Haltung beibehalten und wie oft sie verändert wird.

Versuchen Sie, Ihre App für die verschiedenen Arten, das Gerät zu halten, zu optimieren. Falls eine Interaktion jedoch eine bestimmte Haltung von sich aus nahelegt, sollte die Optimierung im Hinblick auf diese Haltung erfolgen.

Interaktionsbereiche

Da Slates oft an der Seite gehalten werden, sind die unteren Ecken und die Seiten die idealen Stellen für interaktive Elemente.

Interaktionsbereiche

Lesebereiche

Inhalt in der oberen Hälfte des Bildschirms ist besser zu sehen als Inhalt in der unteren Hälfte, da er dort häufig von den Händen verdeckt oder übersehen wird.

Lesebereiche

Häufige Haltungen

HaltungHaltung und InteraktionÜberlegungen bei der Entwicklung
Halten mit einer Hand und Interaktion mit der anderen HandEine Hand hält, und eine Hand wird für unaufwendige bis mittlere Interaktionen verwendet.
  • Der rechte oder untere Rand bietet schnelle Interaktionsmöglichkeiten.
  • Die untere rechte Ecke wird möglicherweise von Hand und Handgelenk verdeckt.
  • Die beschränkte Reichweite sorgt für präzisere Toucheingaben.
  • Lesen, Browsen, E-Mails und einfache Eingaben
Halten mit einer Hand und Interaktion mit den DaumenZwei Hände halten, und die Daumen werden für unaufwendige bis mittlere Interaktionen verwendet.
  • Die untere linke und die untere rechte Ecke bieten schnelle Interaktionsmöglichkeiten.
  • Verankerte Daumen erhöhen die Präzision bei der Toucheingabe.
  • Elemente in der Mitte des Bildschirms sind schwer zu erreichen.
  • Toucheingaben in der Mitte des Bildschirms erfordern das Ändern der Haltung.
  • Lesen, Browsen, einfache Eingaben und Spiele
Interaktion mit beiden HändenDas Gerät liegt auf einem Tisch oder den Oberschenkeln, und beide Hände werden für unaufwendige bis umfangreiche Interaktionen verwendet.
  • Der untere Teil des Bildschirms bietet schnelle Interaktionsmöglichkeiten.
  • Die unteren Ecken werden möglicherweise von Händen und Handgelenken verdeckt.
  • Die bessere Reichweite sorgt für präzisere Toucheingaben.
  • Lesen, Browsen, E-Mails und umfangreiche Eingaben
Passive Interaktion ohne FesthaltenDas Gerät liegt auf einem Tisch oder einem Ständer, mit oder ohne Interaktion.
  • Der untere Teil des Bildschirms bietet schnelle Interaktionsmöglichkeiten.
  • Toucheingaben im oberen Teil des Bildschirms verdecken Inhalte.
  • Toucheingaben im oberen Teil des Bildschirms können ein angedocktes Gerät aus dem Gleichgewicht bringen oder vom Ständer stoßen.
  • Interaktionen aus der Ferne beeinträchtigen die Lesbarkeit und Genauigkeit.
  • Erhöhen Sie die Zielgröße, um die Lesbarkeit und Genauigkeit zu verbessern.
  • Ansehen eines Films, Hören von Musik

 

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